
Die Stadt im
Mittelalter war nicht das Nürnberg oder Augsburg aus der
Zeit Dürers oder der Fugger.
Es war eine meist
kleine, selten mehr als 10.000 Menschen beherbergende Siedlung
mit kleinen, niedrigen Fachwerkhäusern, gruppiert um ein
steinernes Haus des Stadtvogtes oder um einen großen Dom,
dessen Pracht in dieser Umgebung umso beeindruckender
erstrahlte.
Auf holperigen,
selten gepflasterten Straßen kam man zu einem Tor herein,
ging an Herbergen, der Vogtei (=Rathaus), der Pfarrei samt der
Kirche, am Zeughaus (= der Aufbewahrungsort für Waffen und
Rüstungen) vorbei.
Man sah
Schlossereien, Schmieden, Sattler, Böttcher und viele
andere Geschäfte und Häuser, bis man wieder an einem
Stadttor ankam. Dieser ganze Spaziergang dauerte kaum länger
als 10 bis 15 Minuten.
Die Stadt
schwirrte tagsüber vor Leben und Geschäftigkeit, mit
der einsetzenden Dämmerung wurde sie jedoch schnell still;
man ging früh schlafen.
Die Familie saß
noch einige Zeit um eine Öllampe herum und man erzählte,
sang gemeinsam und unterhielt sich über die Neuigkeiten des
Tages, von dem, was man von dem König gehört hatte,
von der weiten Welt.
Danach schloß
man die Fenster, in denen kleine Glasscheiben prangten, denn der
Gestank von draußen war schrecklich. Man betete gemeinsam
um Frieden, gute Geschäfte, Gesundheit und Glück am
nächsten Tag, wusch sich in einem Holzbottich und ging dann
zu Bett.
Im nahen Kloster,
das außerhalb der Stadtmauern lag, brannte noch Licht. Die
Mönche arbeiteten noch; die einen trugen die Chronik nach,
die sie über die Stadt und die angrenzenden Rittergüter
führten, die anderen zeichneten noch an Bauplänen für
die neue Kathedrale, mit deren Konstruktion sie vom Erzbischof
beauftragt waren; in ein, zwei Jahren könnte man beginnen
und in circa 80 oder 100 Jahren würde das Bauwerk
fertiggestellt.
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