Friedrichs II. Tod, die Reaktionen der Zeitgenossen und sein Testament

Konrads Kindheit und seine Situation
nach dem Tod Friedrichs

Konrads Italienzug und sein Tod im Jahre 1254

Quellenangaben und kurze Bibliographie

Friedrich II. mit einem JagdfalkenFriedrichs II. Tod, die Reaktionen der Zeitgenossen und sein Testament



Friedrich II., von Gottes Gnaden römischer Kaiser, allezeit Mehrer des Reiches, König von Sizilien und Jerusalem, starb am 13. Dezember 1250 in dem apulischen Städtchen Fiorentino. Sein Tod besiegelte für die nächsten 300 Jahre den Sieg des Papsttums über das Reich, er bedeutete zugleich, trotz mancher rückläufigen Bewegungen, die Auflösung des Abendlandes in Nationalstaaten. Zum Tod des Kaisers schrieb der Chronist Matthäus von Paris "Um diese Zeit starb Friedrich, der größte unter den irdischen Fürsten, das Wunder und der Umgestalter der Welt, losgesprochen von dem Bann, der auf ihm gelastet, nachdem er, wie man sagt, das Kleid der Zisterzienser angezogen und wunderbar zerknirscht war und sich gedemütigt hatte. Er starb aber am Tag der hl. Lucia, so daß man nicht sagen kann, das Erdbeben jenes Tages wäre nichtssagend und ohne Bedeutung gewesen." Hingegen Papst Innozenz IV., zeitlebens der größte und unversöhnlichste Gegner der Staufer und der sogar aus Furcht vor dem Kaiser samt seinem Hof im Juli 1244 aus Rom nach Lyon floh, schrieb an den Erzbischof von Köln: " Die schwarze Nacht der grausamen Verfolgung ist verschwunden, das harte Joch des Pharao, durch das alle fast zu Tode gepeinigt wurden, ist gelöst, die schreckliche Marter des gottlosen Nero, die fast alles vernichtete und bis ins innerste Herz traf, hat geendet; nun ist die goldene Freiheit, die jener in die Verbannung geschickt hat zurückgekehrt" (Tatsächlich kehrte der Papst kurz danach nach Rom zurück). In Lyon wurde der Tod des Kaisers mit großer Freude aufgenommen. Die Schreiben, welche diese Nachricht verbreiten sollten, glichen Siegesbotschaften; alle Hebel wurden in Bewegung gesetzt, um die glückliche Wendung des Schicksals zum vollständigen Sieg der Kirche und zum Untergang des "gottesfeindlichen Geschlechts des Hohenstaufen" auszunutzen. Scharen von Bettelmönchen durchzogen die Lande und wiegelten auf zu Abfall und Auffuhr gegen den "Herodeslohn" Konrad IV.

Friedrichs Testament, von dem uns mehrere übereinstimmende Versionen vorliegen, enthielt die folgenden Verfügungen:
"Ich, Friedrich, vermache zum Heil meiner Seele hunderttausend Unzen Gold, um das Heilige Land der heiligen römischen Kirche wieder zu gewinnen, welche zu verwenden sind nach dem Ermessen meines Sohnes Konrad. [...] Ferner gebe ich der Kirche ihr ganzes Gebiet frei und will, daß ihr alle ihre Rechte zurückerstattet werden. Als meinen Erben erkläre ich Konrad im römischen Reich und in Sizilien. ..."

Siegel König Konrads IV.Konrads Kindheit und seine Situation nach dem Tod Friedrichs



Konrad, der am 25. April 1228 im süditalischen Andria geboren wurde, war der einzige Sohn Friedrichs aus dessen zweiter Ehe mit Isabella Jolanthe (Tochter Johanns von Brienne, des Königs von Jerusalem), die zehn Tage nach seiner Geburt starb.
Der kleine Konrad verlebte die ersten Jahre der Kindheit im Königreich Sizilien, nach dem Aufstand von Friedrichs ältestem Sohn Heinrich (VII.) im Jahre 1234 kam er mit seinem Vater nach Deutschland. Damals schon verlobte der Kaiser seinen Sohn mit der Tochter des mächtigen Herzogs Otto von Bayern - die Ehe zwischen Konrad und Elisabeth wurde 1246 in Vohburg vollzogen. Im Februar 1237 wurde Konrad auf Betreiben Friedrichs von dem Reichsfürsten zum römischen König und künftigen Kaiser gewählt. Da er aber nie gekrönt wurde, führte er den Titel eines erwählten römischen Königs: Romanorum in reges electus; und nach dem Tod des Vaters: Conradus dei gratia Romanorum in regem electus, semper Augustus, Jerusalem et Siciliae rex.
Als Friedrich wieder nach Italien zurückkehrte, bestellte er in Deutschland eine Regentschaft, an deren Spitze der Erzbischof von Mainz stand. Dieser übernahm auch die Erziehung des jungen Konrad, der in Deutschland blieb. Unser Chronist Matthäus von Paris schreibt über die Kindheit Konrads "Es wurde aber Konrad, weil es der Sohn der Tochter des Königs von Jerusalem, eines unbesiegten Ritters, und selbst ein tapferer Kriegsmann war, von allen im Reiche geliebt und gefürchtet."

Die Situation des jungen Königs in Deutschland war bei Friedrichs Tod gefährdet genug. Infolge der Bannung des Kaisers hatte 1246 ein Teil der Fürsten Heinrich Raspe von Thüringen zum Gegenkönig gewählt. Dieser als "Pfaffenkönig" geschmähte König starb aber schon wenige Monate später nach einem erfolglosen Gefecht gegen Konrad. Im Oktober 1247 wählte die gleiche oppositionelle Gruppe aus niederrheinischen Fürsten und Bischöfen den jungen Wilhelm von Holland zum Gegenkönig; und dieser erfreute sich der Unterstützung des größten Feindes der Staufer, Innozenz´ IV. Konrads Stellung in Deutschland war durch den Gegenkönig und die Opposition eines Teiles der Fürsten bedroht, nicht minder die Machtstellung im sizilischen Königreich infolge der antistaufischen Einstellung der Kurie, die sich auf zahlreiche guelfische (=welfentreue und damit antistaufische) Parteigänger in Nord- und Mittelitalien, aber auch im südlichen Italien stützte.
Der König stand vor der Alternative: entweder zuerst in Deutschland seine Autorität durchzusetzen und dann nach Italien zu ziehen; oder (im Sinne Friedrichs) von der Machtbasis des sizilischen Königreiches aus, gestützt auf dessen reiche finanzielle Mittel und die dort konzentrierten staufischen Elitetruppen, Deutschland zu gewinnen.
Am 20. Januar 1251 gab König Konrad in Regensburg den Tod seines kaiserlichen Vaters bekannt, im Frühjahr des gleichen Jahres unternahm er den Versuch, Wilhelm von Holland in einem überraschenden Feldzug zu schlagen, was aber mißlang. Nach diesem Fiasko entschied sich Konrad für die zweite Alternative: er berief eine allgemeine Versammlung der Reichsfürsten in Augsburg ein, ernannte seinen Schwiegervater Otto von Bayern zu seinem Stellvertreter in persönlichen wie Reichsdingen in Deutschland und brach im Oktober 1251 nach Italien auf. Er ließ ein unruhiges Deutschland zurück, schwankend zwischen ihm, dem Gegenkönig Wilhelm und eigenen Machtinteressen der einzelnen Fürsten. Konrads größte Stütze hier war der Wittelsbacher Herzog Otto der Erlauchte von Bayern, der seit der Vermählung seiner Tochter Elisabeth mit dem jungen König sich endgültig für die Sache der Staufer entschieden hatte. Ihm vertraute er auch seine Gattin an, die ihm wenige Monate später, am 25. März 1252, im Kastell Wolfstein bei Landshut, einen Sohn, der Konradin genannt wurde, schenkte, den der Vater nie sehen sollte.

Ausschnitt einer Schlachtszene aus der Maciejowski Bibel von 1250Konrads Italienzug und sein Tod im Jahre 1254




Die Fahrt des Königs, der nur mit kleinem Gefolge reiste, ging von Augsburg über den Brenner nach Verona und von da an, da der Landweg durch das unruhige und papsttreue Ober- und Mittelitalien zu unsicher gewesen wäre, über Vincenza zum istrischen Hafenort Pirano. Von hier segelte Konrad mit einer Flotte, die ihm sein Halbbruder Manfred, der durch Friedrichs Testament zum Verwalter Siziliens ernannt wurde, entgegengesandt hatte, die dalmatinische Küste entlang und traf am 8. Januar 1252 im süditalienischen Siponto ein, wo ihn Manfred herzlich willkommen hieß und ihm die Regierung des Königreiches Sizilien übergab
Die folgenden militärischen Operationen Konrads in Sizilien nahmen einen glücklichen Lauf; es gelang ihm in den Jahren 1252 und 1253 die noch aufständischen Teile des Landes zu unterwerfen. Schließlich, nach langjähriger Belagerung durch Manfred konnte er im Oktober 1253 auch Neapel, das als letzte Stadt des Königreiches hartnäckigen Widerstand geleistet hatte, einzunehmen.
Dagegen verliefen die Verhandlungen mit der Kurie, die der König bald nach seiner Ankunft in Süditalien aufnahm, durchaus negativ; was durchaus nachvollziehbar ist, wenn man weiß, daß er als Friedensbedingung seine Anerkennung im Kaiserreich und Königreich stellte: eine Forderung, die für den päpstlichen Stuhl, dessen Politik sich ja gerade gegen die Vereinigung dieser beiden Gewalten richtete, untragbar war. Zudem war die Situation mittlerweile so, daß zwar Konrad im unbestrittenen Besitz des Königreiches Sizilien war, daß aber seine Machtstellung in Deutschland sich zunehmend durch die Fortschritte des von der Kurie unterstützten Wilhelm von Holland verschlechterte, auf dessen Seite gerade in dem ersten Monaten des Jahres 1252 die nordostdeutschen Laienfürsten traten. Konrads Stellung in Deutschland wurde auch nicht zuletzt dadurch schlechter, daß der Wittelsbacher Otto von Bayern, im November 1253 starb.
Die Besprechungen mit der Kurie wurden ohne Ergebnis abgebrochen, die Exkommunikation des Königs, die schon bei seinem Regierungsantritt vom Papst ausgesprochen war, wurde trotz seines Einspruches bekräftigt. Konrad schrieb damals zu einem Vertrauten. "Gott ist mein Zeuge, daß ich nicht weiß, worin ich gesündigt habe. Von jedwedem Vergehen gegen die Diener Gottes und der Kirche spricht mein Gewissen mich frei. Da ich aber in Rom keine Hörer finde, der Recht und Urteil weder nach rechts noch links beugt, und meine Appellation und Klage gegen das widerrechtliche Verfahren ungehört verhallt, so bin ich genötigt mit lauter Stimme an den zu appellieren, vor dem das letzte Wort gesprochen wird."
Seit Beginn des Jahres 1254 betrieb Konrad die Vorbereitungen für den Marsch, der ihn durch das mittlere und obere Italien nach Deutschland führen sollte. Mit einem auserlesenem Heer von 20000 Bewaffneten, schrieb er an seine Anhänger, stehe er im Begriff, zum Schrecken seiner Feinde aufzubrechen, wenn nicht die göttliche Allmacht durch irgendeinen unerwarteten Unfall seinen Fortschritt hemme. Am 21. Mai 1254 starb er in Lavello an einem Fieber, das ihn schon im Herbst des vorangegangenen Jahres, in den Tagen der Belagerung von Neapel befallen hatte. " Er schwand dahin", schreibt Matthäus von Paris, "und sank auf das Sterbebett und sprach: Wehe mir Elendem, dreimal wehe dem Allerelendsten! Warum hat mich meine Mutter geboren, warum mein Vater erzeugt, der ich soviel Ungemach erdulden sollte! Die Kirche, die mir Vater und Mutter sein sollte, war vielmehr uns eine Stiefmutter. Das Reich, welches schon vor Christi Geburt und bis jetzt geblüht hatte, verwelkt und sinkt in tödliche Vergessenheit. Matthäus fährt fort: "Und so, den Tag seiner Geburt verfluchend, hauchte er seine unglückliche und betrübte Seele aus."

Nach seinem Tod waren die Urteile über König Konrad gespalten, so schrieb der Chronist Hermann von Altaich, der dem bayerischen Herzogshaus nahestand: "Er war ein friedliebender Mann und strenger Richter; mit Ausnahme der Parteigänger der Kirche waren die Deutschen, Apulier und Langobarden über seinen Tod betrübt." Bei Ricordano Malespini, einem Anhänger der Kurie, hieß es hingegen: "Wäre er [Konrad] am Leben geblieben, so würde er ein ärgerer Verfolger der Kirche geworden sein als sein Vater es war."
Konrads Gebeine sollten im Dom der staufisch gesinnten Stadt Messina beigesetzt werden. Aber eine Feuersbrunst, die am Tag des Begräbnisses ausbrach und einen Teil der Kirche zerstörte, verzehrte seinen Leichnam.

Quellenangaben und kurze Bibliographie

Quellenangaben:

  • Georgina Masson, Friedrich II. von Hohenstaufen. Eine Biographie, Stuttgart, 1985.

  • Kurt Pfister, Konradin. Der Untergang der Staufer, München 1941, S.6-23.

  • James J. Walsh, The Thirteenth Greatest of Centuries, New York 1970, S. 1-17.

  • Georg Weber/ Alfred Baldamus, Geschichte des Mittelalters, 1846,S. 362ff.

Kurzbibliographie:

  • Hartmut Boockmann, Stauferzeit und spätes Mittelalter. Deutschland 1125-1517 (Das Reich und die Deutschen 4), Berlin 1993.

  • O. Engels, Die Staufer, 1998.

  • D. Abulafia, Herrscher zwischen den Kulturen. Friedrich II. von Hohenstaufen, 1991.

  • Bibliographie zur Geschichte Friedrichs II. und der letzten Staufer, zusammengestellt von C.A. Willemsen (MGH Hilfsmittel 8), 1986.

  • Horst Fuhrmann, Die Päpste. Von Petrus zu Johannes Paul II, 1998.

  • C. Morris, The Papal Monarchy. The Western Chruch from 1050 to 1250, 1989.